Punktlandung auf dem Dach gelingt

© Hockenheimer Tageszeitung, Mittwoch, 18.04.2012

DasSolardrom1 war eine Punktlandung: Am 31. März wurde der obligatorische Leuchten-Test erfolgreich durchgeführt. Damit ging die erste Bürgersolaranlage des Vereins Solardrom in Betrieb. Rechtzeitig nach den Anforderungen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Installiert wurde die Anlage – Solardrom 1 – auf dem Wohngebäude Luisenstraße 46 – 60 der Selbsthilfe-Baugenossenschaft Hockenheim mit einer Investitionssumme von rund 55 000 Euro.
Die eigens dafür gegründete Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) hat 15 Gesellschafter (es gab wesentlich mehr Anfragen), welche die 111 Anteile zu je 500 Euro (maximal zehn Anteile) zeichneten. Solardrom 1 hat eine Größe von etwa 28 300 Kilowattstunden pro Jahr. Dies entspricht einem Stromverbrauch von rund sieben Vier-Personen-Haushalten.

EEG setzt unter Zeitdruck

Solardrom-Vorsitzender Michael Schöllkopf blickt auf die vergangenen Wochen zurück, in denen das Projekt ganz schön unter Zeitdruck geraten war. Grund hierfür war die Änderung des EEG. Neue Anlagen mussten bis zum 31. März in Betrieb sein, nicht, wie vorher geplant, bis spätestens 30. Juni, um die Vergütung von 0,2443 Cent pro Kilowattstunde auf 20 Jahre zu erhalten. Solardrom musste also Gas geben – mit Erfolg.

Am 23. März begannen die Arbeiten für die Unterkonstruktion in der Luisenstraße. Fünf Tage später war diese fertig. Am 29. März startete die Montage der 138 Module (etwa 360 Quadratmeter) und am 31. März leuchteten die Lampen auf. Geschafft! Die erste Bürgersolaranlage des Vereins lief.

Dabei betreiben mehrere Privatpersonen eine gemeinschaftliche Photovoltaikanlage und ziehen ihren Nutzen daraus: Die Rückzahlung der Einlage und der Gewinne aus dem Stromverkauf, die durch das EEG geregelt ist, erfolgt jährlich. Um zu vermeiden, dass jeder Gesellschafter mit seinem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet, ist der Bürgersolarverein Solardrom dazwischen geschaltet, der den Betrieb der Anlage und die damit verbundene Haftpflicht übernimmt. Im schlechtesten Fall haftet jeder Gesellschafter mit maximal seiner Einlage. Dieser Fall ist freilich eher theoretischer Natur.
Vorzeigeprojekt Solardrom 1

Das Projekt „Solardrom 1“ startete natürlich nicht erst mit dem Bau der Anlage. Zunächst musste ein Dachnutzungsvertrag abgeschlossen werden. Dann ging’s ans Einholen von Angeboten. Geordert wurden Module und Wechselrichter von der in Konstanz ansässigen Firma Sunways. Als weitere Schritte bis zur Inbetriebnahme folgten die Gründung der GbR, der Vertrag Verein – GbR, die Beauftragung der Anlage, die Zwischenfinanzierung durch Bank (Sparkasse) sowie die Beteiligungen (Abwicklung durch die GbR).

Für Michael Schöllkopf ist die Photovoltaikanlage auf dem Gebäude der Selbsthilfe-Baugenossenschaft, die von der Betreibergesellschaft eine Art Pacht für ihre Dachflächen bekommt, ein Vorzeigeprojekt. Auch wenn Solardrom erst einmal abwarten will, wie sich der Markt entwickelt, sind weitere Anlagen vorgesehen – auf dem Dach einer Firma im Talhaus und im Stadtgebiet. Dächer für solche Vorhaben zu bekommen, sei laut Michael Schöllkopf gar nicht so einfach: Wer kann schon 20 Jahre im Voraus planen? Wegen der Rentabilität sind aber zwei Jahrzehnte notwendig. Der Solardrom-Vorsitzende, der bereits vor 30 Jahren auf seinem Privathaus mit Photovoltaik experimentierte, ist jedoch optimistisch, dass Solardrom weitere Anlagen baut – gerade auch der Umwelt zuliebe.

In Konkurrenz zu den Stadtwerken sieht sich Solardrom nicht. Ganz im Gegenteil: Michael Schöllkopf spricht von einer Ergänzung, da Solardrom ein Segment abdeckt, das die Stadtwerke (Anteile an Bürgersolaranlagen nur für Kunden) nicht bedient. Der Verein und die Werke arbeiten zusammen.

Apropos Verein: Neue Mitglieder sind im Solardrom e. V. willkommen. Dieser setzt jedoch auf Qualität statt auf Quantität. Michael Schöllkopf: „Uns kommt es nicht auf die Anzahl der Mitglieder an, sondern darauf, dass sich diese auch engagieren.“

Breites Betätigungsfeld

Das Betätigungsfeld ist breit genug. Solardrom macht es sich unter anderem zur Aufgabe, Verständnis und Interesse für das Energiesparen zu wecken und zu einer aktiven Teilnahme zu ermuntern. Laut Satzung ist zudem Vereinszweck, „allen Bevölkerungskreisen, besonders Kindern und Jugendlichen, die Schönheit und Vielgestaltigkeit unseres Lebensraums zu vermitteln, die Zusammenarbeit mit anderen örtlichen und regionalen Vereinen sowie den Arbeitskreisen der Lokalen Agenda 21 auszubauen und den Umwelt- und Klimaschutz durch die Förderung regenerativer Energiegewinnung auszubauen“.

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