Wasserreiniger mit viel Energie bei Laune halten

Lokale Agenda: Besuch im Klärwerk zeigt Funktionsweise und Aufwand

Mit einem leisen „Zuschhhh“ bringt das Spülwasser die Hinterlassenschaften in der Toilette zuverlässig in die Kanalisation. Aus den Augen, aus dem Sinn? Für Mitglieder der Gruppen der Lokale Agenda wird das künftig nicht mehr so funktionieren. Denn sie haben sich informiert.

Mitten im Herzen der Anlage ließen sie sich am Samstag von Klärmeister Sören Troffer erläutern, was nach dem leisen „Zuschhhh“ im heimischen WC, nach dem Spülen des Geschirrs, dem Waschen des Autos, dem Feuerwehreinsatz oder der Nutzung von industriellem Brauchwasser eigentlich passiert.

„Es ist wichtig“, so Michael Schöllkopf von der Gruppe „Erneuerbare Energien“, „auch einmal zu wissen, mit wie viel Energie hier gearbeitet wird.“ Ein guter Grund für ihn und die Gruppe, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Mit rund 1,4 Millionen Kilowattstunden pro Jahr verbraucht das Klärwerk so viel Energie wie 365 Vier-Personen-Haushalte. Zum Vergleich: Um diese Menge an Strom zu erzeugen, benötigt es eine Photovoltaikanlage, die rund 2,5 Hektar groß ist.

Strom für Pumpen und Biologie

„Dieser Verbrauch“, so Sören Troffer, „ist von vielen Faktoren abhängig. Haben wir beispielsweise ein regenreiches Jahr mit viel Abwasser, dann haben alleine die Pumpen einen großen Kostenanteil.“ Der größte „Energiefresser“ aber sei, so der Klärmeister, „die Biologie.“ So zärtlich nennt er die „kleinen Arbeiter“ im Klärwerk. Denn sie lieben es kuschelig warm: Die hochorganischen Klärschlämme werden bei 37 Grad Celsius und damit Körpertemperatur abgebaut.

Weil die Becken aber insgesamt eine Größe von 2800 Kubikmetern Inhalt aufweisen, braucht es viel Energie, um sie auf dieser Temperatur zu halten. „Natürlich produzieren wir dabei auch rund 1200 Kubikmeter Methangas“, erklärte Troffer, „aus dem wir über das Blockheizkraftwerk 650 000 Kilowattstunden Energie erzeugen können.“

Landratsamt überwacht Werte

Doch das reicht nicht aus. Der Betrieb hängt an seinen Zahlen. Und wenn die nicht stimmen, gibt es Ärger mit dem Landratsamt, denn dort werden nicht die fiskalischen, sondern die Klärwerte geprüft. Wenn die nicht stimmen, dann kommen Strafzahlungen auf das Klärwerk zu.

Schließlich sollen die Abwässer, die im Kraichbach landen oder die Klärschlämme, die im Müllheizkraftwerk Mannheim abgeliefert werden, bestmöglich geklärt sein. „Natürlich gibt es auch Klärwerke, die völlig autark agieren“, so Troffer, „aber dafür sind wir zu klein.“

Und dennoch: Am Klärwerk, das wie ein Spinnennetz mit all seinen Zuleitungen funktioniert, hängt viel. Von der galvanisierenden Industrie bis zur Großveranstaltung am Hockenheimring. „Man muss sich das klarmachen: Wo sonst rund 27 000 Einwohner – inklusive Reilingen – ihre Abwässer einleiten, kommen für zwei oder drei Tage noch die Hinterlassenschaften von rund 150 000 Besuchern hinzu. „Spätestens dann können wir unsere Werte nicht mehr einhalten“, gesteht der Fachmann. Auch Fettfrachten, Heizöle oder – wie kürzlich – Lösungsmittel im Zulauf machen es den Klärwerkern schwer. „Da kann eine Anlage auch schon mal kippen“, sagt Troffer.

Aufklärung in Betrieben

Deshalb sind die Mitarbeiter auch schon einmal vor Ort in den Betrieben und machen auf die Gefahr aufmerksam. Und natürlich wird auch seitens der Stadt investiert, um das Klärwerk auf dem neuesten Stand zu halten. Seit dem Bau 1967 kamen so die Faulung und Klärschlammentwässerung (1979), die Phosphatelimination (1992), die Stickstoffelimination (2000) und die Sanierung der Elektrotechnik (2009) hinzu.
Tag der offenen Tür angeregt

Michael Schöllkopf und die 14 weiteren Besucher zeigten sich von der Anlage beeindruckt. Für den Agendagruppensprecher aber zeigte sich eine besondere Dimension: jene der Visualisierung. „Vielleicht könnten wir einen Tag der offenen Tür im Klärwerk initiieren“, überlegte er, „so dass den Menschen verdeutlicht werden kann, wie dies alles funktioniert.“

Sören Troffer kommentierte die Idee nicht, warnte aber die Besucher vorsorglich vor den Klärbecken: Wer dort hineinfällt, kann nicht mehr gerettet werden.
© Hockenheimer Tageszeitung, Montag, 27.01.2014

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